Kardiologische Praxis
Dr. med. univ. Wolfgang Jungmair

Herzkatheter

Herzkatheteruntersuchung

Die Herzkatheteruntersuchung wird ambulant im Rahmen unseres Praxisverbundes im Herzkatheterlabor des CCB am Bethanienkrankenhaus in Frankfurt durchgeführt. In der Herzkatheterambulanz werden die Patienten nachbetreut. Die Entlassung nach Hause erfolgt bei diagnostischen Untersuchungen am selben Tag, bei therapeutischen Stentimplantationen am nächsten Tag.

Die Herzkatheteruntersuchung ist ein invasives diagnostisches Verfahren. Die "große Herzkatheteruntersuchung" stellt die Herzkranzgefäße (Koronarangiographe) und die linke Hauptkammer (Ventrikulographie) dar. Beim "kleinen Herzkatheter" werden die Druckwerte im kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) gemessen.

Die Koronarangiographie ist der "goldene Standard" in der Erkennung von Durchblutungsstörungen des Herzens. Der Vorteil ist, dass die Herzkranzgefäße, in denen das sauerstoffangereicherte Blut zum Herzmuskel fließt, direkt dargestellt werden und darüber hinaus - bei Nachweis hochgradiger Verengungen im Gefäßsystem - auch eine Aufdehnung der Engstellen (PCI) und somit eine Behandlung möglich ist. Die diagnostische Verlässlichkeit liegt nahezu bei 100 %. Andere diagnostische Verfahren zur Bestimmung der Herzdurchblutung wie z.B. die Stressechokardiographie oder die Thalliumszintigraphie erreichen dies nicht.

Wann ist eine Koronarangiographie angezeigt?

  • Akuter Herzinfarkt
  • Angina pektoris-Beschwerden bei bekannter koronarer Herzerkrankung
  • Belastungsabhängige Brustschmerzen oder Luftnot mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Herzdurchblutungsstörung (Vorliegen von Risikofaktoren, Veränderungen im Belastungs-EKG, Nachweis möglicher Durchblutungsstörungen in der Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie, Kardio-MRT mit Stress)
  • Eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens unklarer Ursache

Der Zweck der Koronarangiographie

Der Zweck ist die Diagnose der koronaren Herzerkrankung (=Verkalkungen der Herzkranzgefäße, die zu hochgradigen Engstellen führen kann.) Daraus ergeben sich sehr wichtige und lebensverlängernde Konsequenzen. Vor jeder Untersuchung ist das Risiko-Nutzen-Verhältnis abzuwägen. Auch wenn das Risiko einer Herzkatheteruntersuchung für schwerwiegende Komplikationen gering ist, dürfen diese nicht bagatellisiert werden. Andererseits ist es von großer Bedeutung Veränderungen in den Herzkranzgefäßen zu erkennen und entsprechend zu behandeln.
Voraussetzung für eine gute Untersuchungsqualität ist ein möglichst niedriger Puls (etwa 60/min). Medikamentös kann die Herzfrequenz gesenkt werden. Dies kann durch Einnahme eines Betablockers in Tablettenform und/oder intravenös erreicht werden.

Viele Patientinnen und Patienten haben vor der Herzkatheteruntersuchung Angst, weil es sich dabei um eine invasive Untersuchung ist, bei der ein sehr dünner Kunststoffschlauch in den Körper eingebracht wird. Die allermeisten Patientinnen und Patientienten empfinden die Untersuchung im Nachhinein als gar nicht unangenehm. Sie ist grundsätzlich eine schmerzfreie Untersuchung. Die Verabreichung eines entsprechenden Medikamentes vor dem Eingriff ist selbstverständlich.

Die Untersuchung wird im Herzkatheterlabor durchgefuehrt und findet auf einem so genannten Untersuchungstisch statt, auf den sich der Patient entkleidet auf den Rücken legt. Nach Desinfektion der Punktionsstelle - die rechte oder linke Leistenregion oder die Innenseite des rechten oder linken Hangelenkes - erfolgt die Abdeckung des Körpers mit einem großen sterilen Tuch. Dann erfolgt die lokale Betäubung. Nach schmerzfreier Punktion mit einer Hohlnadel wird die Schleuse in die pulsierende Arterie vorgeschoben. Die Schleuse ist ein Ventil, das den Zugang in das Kreislaufsystem sichert, das Bluten aus der Punktionsstelle verhindert und über den Katheter gewechselt werden können.

Die Diagnostik:

Nach Vorschieben des Katheters über die Hauptschlagader werden das linke und rechte Herzkranzgefäß sondiert und mit Kontrastmittel gefüllt. Dies erfolgt entweder mit der Hand oder auch mit einem speziellen Pumpsystem. Unter Röntgendurchleuchtung werden die Herzkranzgefäße sichtbar. In manchen Fällen erfolgt auch die Darstellung der linken Hauptkammern. In diesen Fällen wird ein mehr oder minder starkes Hitzegühl verspürt, das sich über den ganzen Körper ausbreitet und nur kurz anhaelt.

Diese Aufnahmen werden in Form eines Videos dargestellt.

Die Röntgenröhre dreht sich in bestimmte Richtungen, um die Herzkrangefäße von allen Seiten zu durchleuchten. Die Untersuchung dauert in der Regel nur wenige Minuten.

Die Intervention:

Findet sich eine hochgradige Engstelle im Herzkranzgefäßsystem, die die Durchblutung des Herzens beeinträchtig, kann versucht werden, eine Aufdehnung durchzuführen und die Engstelle zu beseitigen. Dazu wird über den Katheter ein dünner Draht in das Herzkranzgefäß über die Engstelle hinweg in die Gefäßperipherie vorgebracht. Dieser Draht dient als Schiene. Ein Ballon, auf dem auch eine Gefäßstütze (Stent) aufgebracht sein kann, wird im Bereich der Engstelle positioniert. Durch Aufblasen des Ballons mit hohem Druck (etwas 12 - 16 atm) entfaltet sich der Stent und die Engstelle wird in die Gefäßwand gedrückt. Der Stent hält die behandelte Stelle offen, sodass auf Dauer wieder ausreichend Blut zum Herzen fließt. In manchen Fällen wird mit einem Ballon alleine vorgelehnt um Platz für die Positionierung des Stents zu schaffen.

Es braucht eine gewisse Zeit bis der implantierte Stent, der aus Edelstahl besteht, mit körpereigenem Gewebe überzogen ist. Es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel (Thromben) bilden, die das Gefäß im Stentbereich verschließen (Stentthrombose). Aus diesem Grund müssen bei nicht-medikamentös-beschichteten Stents 4 Wochen, und bei medikamentös-beschichteten Stents zumindestens für 3 Monate (bis zu 12 Monaten) Medikamente eingenommen werden, die das Entstehen von Blutgerinnseln im Stent verhindern (ASS in Kombination mit Clopidogrel bzw. Brilique oder Efient nach akutem Herzinfarkt). Ein Absetzen dieser Medikamente - z.B. wegen einer anstehenden Operation - darf in dieser Zeit nur in Rücksprache mit dem behandelten Kardiologen erfolgen, sonst droht ein Stentverschluss mit nachfolgendem Herzinfarkt.

Eine alleinige Dilatation mit einem Ballon würde zu einer hohen Rate einer Wiedereinengung an der Behandlungsstelle (Restenose) führen. Deswegen werden in den meisten Fällen Stents (Gefäßstützen) implantiert. Allerdings haben diese normalen Metall-Stents (bare metall stents = BMS) in Abhängigkeit von Größe und Länge auch eine gewisse Wiedereinengungsrate. Vor allem in schmalkalibrigen und langen Stents können sich in den ersten 6 Monaten nach Implantation relevante Engstellen bilden (Instentstenose) und das Gefäß wieder einengen. Deswegen werden immer häufiger medikamentös-beschichtete Stents ("drug eluting stents" = DES) implantiert. Insbesondere Diabetiker profitieren von diesen DES. Auf alle Fälle kommen DES bei schmalkalibigen und langen Engstellen zum Einsatz. In letzter Zeit werden  medikamentoes beschichtete Stens bevorzugt implantiert.

Neuerdings ist die Implantation von selbstauflösenden (=bioresorbierbaren Stents) möglich. Wegen ihres hohen Preises jedoch noch nicht allgemein verfügbar.

Nach Abschluss des diagnostischen bzw. therapeutischen Eingriffes, wird alles Material bis auf den implantierten Stent aus dem Körper entfernt, die Punktionsstelle abgedrückt und mit einem straffen Druckverband versorgt, oder mit einem speziellen Verschlusssystem verschlossen. Nach Leistenpunktion müssen noch einige Stunden Bettruhe eingehalten werden. Erfolgt der Zugang über das Handgelenk ist eine nachfolgende Bettruhe nicht zwingend notwendig.

Wie gefährlich ist die Herzkatheteruntersuchung?

Wegen möglicher Komplikation sind manche Patienten stark verängstigt und entsagen sich dieser Untersuchung. Es muss daher betont werden, dass schwerwiegenden Komplikationen wie z.B. lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Herzinfarkt, notfallmäßige Bypassoperationen oder gar ein tödlicher Zwischenfall sehr selten sind.

Häufig jedoch sind Blutungen in der Leiste, die sich manchmal zu einem großen "blauen Fleck" (Hämatom) entwickeln können. Sehr selten entstehen Komplikationen in der Leiste, die einem Gefäßchirurgen vorgestellt werden müssen. Um diese Komplikation zu vermeiden entscheidet man sich immer häufiger für den Zugangsweg über das Handgelenk.

Unter Berücksichtigung der standartisierten Vorsichtsmaßnahmen ist das Risiko einer Herzkatheteruntersuchung vertretbar, mit einer geringen Komplikationsrate und hohem Nutzen für den Patienten verbunden.
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